Pressemeldung

Am Krebs kommt keiner vorbei

07.06.2011 - Von: Taunuszeitung von Christine Å arac

Mächtig stolz auf den mächtigen Krebs sind zurecht Regina Planz, Martin Steinmetz, Andreas Hett und Alexander Aspidow (von links). Foto: Priedemuth

Die neueste Skulptur der Kunsttäter schmückt Oberursels Stadteingang Ein leuchtend roter Krebs mit einem Mühlrad bildet das neue Entree in der Stadt. Wer von Frankfurt aus in die Brunnenstadt kommt, kann nicht an der Skulptur vorbei, ohne sie zu betrachten.

Der Weg zum Erfolg beginnt in vielen Fällen erst einmal mit einem Hindernis, das aus dem Weg geräumt werden muss. So war es auch bei der neuesten Skulptur der Bildhauerwerkstatt Oberursel, die für die Oberurseler Krebsmühle einen fast vier Meter hohen Krebs samt Mühlrad angefertigt hat.

Die "Kunsttäter" – ein Projekt für straffällig gewordene Jugendliche aus dem Vordertaunus – haben seit Februar 2010 an dem Kunstwerk gearbeitet. Unter der Regie des Kunsttherapeuten Andreas Hett und der Frankfurter Bildhauerin Regina Planz entstand in der Werkstatt auf dem Gelände der Feldbergschule Schritt für Schritt die dritte und zugleich größte öffentliche Skulptur der "Kunsttäter". Doch zunächst einmal brauchten die Jugendlichen Holz, um überhaupt mit der Arbeit beginnen zu können.

"Das war gar nicht so einfach, daran zu kommen", erinnert sich Andreas Hett. "Da ich aber einen guten Kontakt zum Oberurseler Revierförster Matthias Brand habe, konnten wir die passenden Bäume finden." Der Förster "spendete" zwei bereits gefällte Bäume, eine Ross- und eine Edelkastanie aus dem Oberstedter Wald. "Die uralten Holzstämme mussten mindestens einen Meter Durchmesser haben, denn die äußere Schale, das Spindholz, wird abgeschält und nur der Kern ist zum Bearbeiten geeignet", erklärt Hett.

Mühlrad fehlte

Nachdem also die erste Hürde genommen war, ging es nun an die Arbeit. In drei Teilen entstanden der Körper und die zwei Zangen des Krebses. Um das Logo der Krebsmühle jedoch perfekt umzusetzen, fehlte noch ein Mühlrad. Der Ingenieur Martin Steinmetz, der gemeinsam mit Regina Planz 2009 Preisträger des ersten Oberurseler Bildhauersymposiums wurde, unterstützte die Arbeit der Jugendlichen. Diese hatten aus Pappe eine Schablone des Mühlrades angefertigt. Steinmetz schickte diese Vorlage an eine Firma, die den Entwurf per Laser aus Stahl schnitt. Die Schaufeln des Mühlrades wurden von den Jugendlichen dann in mühevoller Arbeit einzeln angeschweißt.

Sockel gegossen

In der Zwischenzeit war auf dem Gelände der Krebsmühle ein riesiger Sockel gegossen worden, auf dem die Figur aufgestellt wurde. Die Krebsmühle organisierte dazu einen Kran, der die schweren Holzteile hochheben konnte. Noch zwei Wochen nach dem Aufstellen wurde an dem riesigen Objekt gearbeitet. Es entstanden noch Arme und die durch den Transport entstandenen Risse im Holz wurden von den Jugendlichen sorgsam mit Acryl aufgefüllt. "Diese Reparaturarbeiten haben uns dazu gezwungen, die Figur mit hochwertiger, wetterresistenter Farbe anzumalen, da es sonst nicht so schön ausgesehen hätte", erklärt Hett. Schließlich wurde der Krebs rot, das Mühlrad grün gestrichen. Das Mühlrad wurde übrigens von Hetts Onkel, Manfred Hett, der einst als Lackierermeister gearbeitet hatte, gestrichen.

Ergreifender Moment

"In der Werkstatt konnten wir die Skulptur schon langsam nicht mehr ertragen", erinnert sich Hett an den langwierigen Schaffensprozess. "Doch als sie vor unseren Augen dann entstand, war das für uns alle ein sehr ergreifender Moment." Die Namen der beteiligten Künstler sind übrigens auf einer Plakette am Sockel verewigt.