Pressemeldung

Bloody Shark treibt auf dem Maasgrundweiher

05.08.2011 - Von: Taunuszeitung von Melanie Hobich

Auf dem Weiher. Foto privat

Kinder bauten in der Bildhauerwerkstatt "Kunsttäter" Flöße – und gestern hieß es "Wasser marsch!"

Oberursel. Ausgiebig geplanscht wurde gestern bei der "Schiffstaufe" am kleinen Teich an der Christuskirche. Denn in diesen Sommerferien steht das große Thema "Floß", wie schon im vergangenen Jahr, im Mittelpunkt des einwöchigen Kinderworkshops der Bildhauerwerkstatt.

Die 17 Kinder von 10 bis 14 Jahren durften eigenhändig werkeln: In zwei Gruppen bauten sie selbstständig die beiden Flöße aus zwei großen Holzplatten. Und während sich die Mädchen an die Anleitung hielten und Lkw-Reifenschläuche als "Treibhilfe" unter ihrem Floß "Rising Sun" befestigten, wurden die Jungen kreativ: Sie suchten Plastikflaschen und alte Kanister zusammen und bauten ihre bemalte Holzkonstruktion "Bloody Shark" darauf. Wer nicht am Werkeln war, durfte in der Bildhauerwerkstatt an der Feldbergschule kreativ werden. "Die haben die tollsten Ideen", berichtet Bildhauerin Regina Planz. Besonders schön fand sie den Einfall einiger Mädchen, Blümchen in ihre Specksteinskulpturen einzuflechten. Die kleinen Kunstwerke dürfen selbstverständlich mit nach Hause genommen werden.

Die freischaffende Künstlerin leitet zusammen mit Andreas Hett die Bildhauerwerkstatt des Vereins "Kunsttäter". Diese ist eigentlich eine Einrichtung der Kunsttherapie, in der straffällige Jugendliche ihre Sozialstunden ableisten. Seit 2005 verwandelt sich die Werkstatt für eine Ferienwoche in eine Kreativ-Zone für Kinder, die hier unter professioneller Anleitung frei Schnauze arbeiten dürfen.

Platz für Wünsche

Das Programm der Workshops variiert, Platz für die Wünsche der Teilnehmer ist immer. "Da sind wir ganz flexibel", sagt Regina Planz, "und so gehen die Kinder auch damit um, sie sind kreativ und entwickeln eigene Ideen."

So kam man auch auf das Thema "Flöße": In den vergangenen Jahren wurden schwimmende Objekte gefertigt und auf dem kleinen Teich vor der Werkstatt zu Wasser gelassen, aber ohne Besatzung. "Wir mussten die Kinder immer davon abhalten, gleich hinterher zu springen", erinnert sich Planz. Man habe auch schon versucht, kleine Schiffe zu bauen. "Da liegen ganz viele unten im See", gesteht die 48-Jährige.

Dass die Kinder diese Woche jede Menge Spaß haben, kann man dem Geschrei und Gelächter entnehmen, als die Flöße endlich zu Wasser gelassen werden. Auch die beiden "Großen" stürzen sich mitten ins Getümmel, hauptsächlich um den Sitz der Schwimmwesten der Kapitäne zu überprüfen. Nur ein Betreuer muss dem bunten Treiben von einiger Entfernung aus zusehen, denn er ist für die Dokumentation des Geschehens zuständig: Fleißig schießt der 24-Jährige Bilder und erzählt dabei von seiner Zeit als "Kunsttäter". Wegen unterlassener Hilfeleistung war er zu Sozialstunden verurteilt worden. Heute betreut er die Kinderworkshops neben seinem Kunststudium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. "Ich hab’ aus ’ner Sache, die schlecht angefangen hat, was Gutes gemacht", sagt der Student. "Die Erfahrung mit den Kindern ist cool, weil es in meinem Bereich selten ist, dass man mit Kindern zu tun hat." Und auch den Kindern gefällt’s. "Die sind total wild drauf", sagt Diplom-Sozialarbeiter Andreas Hett. "Das Spannende ist, selbst zu bauen und das Geschaffene zu erleben", erklärt er. Und die Kinder kommen wieder: "Ich mag’s sehr, es macht total Spaß", berichtet Carlotta (10), die nun schon zum dritten Mal an einem Workshop teilnimmt. "Ich fänd’s am coolsten, wenn es einmal die Woche wär."

Andreas Hett resümiert: "Es war eine tolle Woche." Er freut sich, dass jedes Kind seinen eignen Interessen nachging: Drei der Teilnehmer haben sich ganz in die künstlerische Arbeit vertieft, die anderen wechselten sich beim Bauen der Boote ab. "Und das ist genau der Ansatz, das ist das Schöne", meint der 46-Jährige. Info’s zu allen Workshops unter http://www.kunsttaeter.de.