Pressemeldung

Das Leben wird bunter

15.09.2010 - Von: Taunuszeitung / Von Frank Saltenberger

Ein farbenfrohes Bild: Die Kunsttherapie ist eine Bereicherung des Alltags demenzkranker Menschen

Eine Ausstellung im Usinger Krankenhaus gewährt eindrucksvolle Einblicke in die Welt Demenzkranker. Wenn am kommenden Samstag im Usinger Krankenhaus der 3. Demenztag stattfindet, wird auch eine Ausstellung zu sehen sein, die bereits jetzt eröffnet wurde. Sie zeigt das kreative Potenzial Demenzkranker.

Usingen. In der Usinger Hochtaunus-Klinik ist zurzeit eine ungewöhnliche Ausstellung zu sehen. &quote;Einblicke – Demenz begegnet Kunst&quote; heißt sie und wurde von dem Kunsttherapeuten Andreas Hett zusammengestellt.

Einblicke gewährt sie nicht nur in die Arbeitsweise des Therapeuten, sondern auch in das Leben seiner Patienten, die an der fortschreitenden Krankheit des Gehirns leiden. Sie geht mit Verlusten des Gedächtnisses, des Denkens, der Orientierung, Auffassungsgabe sowie des Sprechens einher. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Vermutlich liegt es genau daran, dass bei den Erkrankten die Lebensfreude zunimmt, wenn die Kunst Erlebtes aus dem eigenen Leben zutage fördert. &quote;Die sind immer viel lebhafter, wenn sie von ihnen kommen&quote;, bekam der Kunsttherapeut schon zu hören, und er weiß selbst, mit welcher Freude die Patienten meist bei der Sache sind, wenn sie mit Stiften oder Pinseln ausdrücken, was sonst so schwer fällt.

&quote;Mama, das ist doch wie früher, als du die Briefe so verziert hast&quote;, musste einmal eine Angehörige feststellen, als sie die Arbeiten ihrer Mutter betrachtete. &quote;Ich habe als Anfang und Orientierung nur einen roten Punkt auf das Blatt gesetzt, und die Patientin hat diesen mit filigranen Mustern konzentrisch umrahmt, so dass eine Art Mandala entstanden ist.&quote; Andreas Hett erläuterte seine Arbeit bei der Eröffnung der Ausstellung, die im Wartebereich der Ambulanz zu sehen ist: &quote;Kreatives Tun blendet die Symptome zeitweise aus&quote;, weiß er. Was vor viele Jahren war, komme plötzlich zurück. &quote;Alle Sitzungen sind geprägt von einer unglaublichen Freude&quote;, stelle er immer wieder fest. Das Spiel stehe im Vordergrund und nicht die Absicht, Kunst zu schaffen oder zu therapieren im Sinne einer Heilung – das sei nicht möglich. Aber das kreative Arbeiten kann den Verlauf der Krankheit verzögern und bereichert vor allem den Alltag der Patienten.

Hett besucht die Patienten in Einrichtungen oder zu Hause. &quote;In Häusern, in die ich zweimal pro Woche komme, passiert mehr&quote;, sagte er und beschrieb damit die Folgen seiner Arbeit, die von anderen Betreuern oder Angehörigen wahrgenommen werde.

Die Kunsttherapie findet entweder in einer Kleingruppe von maximal fünf Patienten statt oder in wenigen Fällen auch als Einzeltherapie mit einer Dauer von 30 Minuten bis zu einer Stunde. Die Ausstellung wendet sich besonders an Angehörige, aber auch an alle am Thema Interessierten, sagte Maren Kollande-Rudolf von der Sozialberatung der Hochtaunus-Kliniken bei der Eröffnung. Sieist bis 10. Oktober zu sehen.

Der Zeitpunkt wurde auch mit Blick auf den 3. Usinger Demenztag gewählt, der am kommenden Samstag im Krankenhaus stattfindet. Veranstaltet wird er vom Demenznetzwerk Usinger Land, zu dem Einrichtungen wie etwa die Diakoniestation Usinger Land, der Caritasverband und die Hochtaunus-Kliniken zählen. Von Demenz Betroffene und ihre Familien können sich von 14 Uhr an informieren und beraten lassen.