Pressemeldung

Diese Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele

06.11.2010 - Von: Taunuszeitung

Gerhard und Ingrid Pfetzing hatten schnell ein Lieblingsgemälde gefunden. Künstlerin Barbara Schubert (links) erläuterte es. Foto: Mai

Kunst tut gut. Dem schaffenden Künstler ebenso wie dem Betrachter. Das zeigt die Ausstellung &quote;Der Seele Raum geben&quote; im Atelier des Diakonischen Werks.

Wehrheim. Früher wurden in der große Halle medizinische Geräte produziert. Seit Mittwoch bestimmen ein blauer, kreativ gestalteter Raumteiler, in unterschiedlichen Techniken hergestellte Gemälde und eine Collage mit dem vielsagenden Titel &quote;Der Weg&quote; das Bild in der ehemaligen Werkshalle von Gerhard Pfetzing. Seit Sommer ist sie Atelier des Diakonischen Werk Hochtaunus, in dem Doris Kleffmann-Metz und Andreas Hett Menschen mit psychischen Erkrankungen mit der Malerei auf eigene, neue Wege führen (TZ berichtete).

Michael Hibler, Leiter des Diakonischen Werks Hochtaunus, eröffnete jetzt die Ausstellung &quote;Der Seele Raum geben&quote; mit dem Ergebnis der viermonatigen Arbeit, und die etwa 80 Besucher der Vernissage waren begeistert. Da hing eine gelungene Reproduktion von Salvatore Dalis zerfließender Uhr in der Nähe der typischen Aktzeichnungen von Kala Gehrmann und den Urlaubserinnerungen mit Muscheln und Sand.

Dieses Kunstwerk stand auf der Staffelei, der Kittel des Künstlers hing noch über dem Holz, als habe er seine Arbeit mal eben kurz unterbrochen. Aber die Gemälde waren fertig und zeigten einen Teil der Künstler selbst. Wie etwa die plastisch gestalteten Bilder, die Rene Richter und Martin Lesiakowski aus leeren Kekspackungen, Eierpaletten und Salatschalen in Gold, Silber und Schwarz gestaltet hatten. Sie sind &quote;Space&quote; überschrieben und drücken die Geheimnisse und die Weite des Weltalls aus.

Gerhard Pfetzing war erstaunt über die positive Veränderung seiner Fabrikhalle und hatte schnell sein Lieblingsobjekt gefunden: ein in Rottönen gehaltenes Acrylgemälde von Barbara Schubert. Es offenbart erst beim zweiten hinschauen die schlanken Figuren, die sich in die Höhe recken. &quote;Sie sind durch Zufall entstanden, und ich habe sie mit Kreide nachgearbeitet&quote;, erklärte die Künstlerin.

Texte der Schreibwerkstatt, aus der heraus das Malprojekt entstanden ist, und Trommelmusik begleiteten die Vernissage. Michael Hibler erläuterte, dass Ziel nicht die Vollkommenheit sei, sondern sich im Gestalten auszudrücken und dabei sich selbst zu entdecken.

Buntes Leben

Parlamentsvorsitzender Frank Hammen (CDU) war erstaunt, wie viel buntes Leben mit den Werken in den kahlen Raum gekommen war. Gregor Maier, im Landratsamt zuständig für Kultur, sprach von der &quote;Kunst, die den Staub des Alltags von der Seele wäscht&quote;. Und zwar Künstlern und Betrachtern, denn: &quote;Wir können uns hier den Staub von der Seele waschen lassen.&quote; Professor Eberhard Nölke von der Hochschule in Darmstadt, Fachmann für Kunsttherapie, hatte das Projekt begleitet und erläuterte, dass künstlerische Arbeit eine Begegnung mit der eigenen Fantasie und Kreativität sei. Das Gestalten habe eine befreiende Wirkung, zudem eine soziale und integrative Komponente und biete die Möglichkeit, sich trotz Lebenskrise als schöpferischen Menschen zu erleben. mai

Die Ausstellung in der Industriestraße 8 a ist noch bis Weihnachten jeden Mittwoch von 14.30 bis 17.30 Uhr sowie am Samstag, 13. November, von 16 bis 18 Uhr geöffnet. mai