Pressemeldung

Elf Skulpturen der "Kunsttäter" fanden neue Besitzer

21.09.2010 - Von: Taunuszeitung

Seit zehn Jahren beweist der Oberurseler Kunsttherapeut Andreas Hett zusammen mit Bildhauerin Regina Planz, dass in ihrer Bildhauerwerkstatt "Kunsttäter" Arbeitsstunden durchaus resozialisierend wirken können. Nun kamen einige der so entstandenen Werke unter den Hammer.

von Andrea Rosenbaum

Oberursel. An die 320 straffällig gewordene Heranwachsende haben die Bildhauerwerkstatt "Kunsttäter" von Andreas Hett und Regina Planz in zehn Jahren besucht, in unzähligen Arbeitsstunden haben sie mehr als 200 Werke geschaffen, die in vielen Ausstellungen gezeigt wurden. "Mit Kunst, Kreativität und Schaffenslust gegen Gewalt, Destruktion und Delinquenz" lautet Hetts Motto.

"Einer unserer Teilnehmer wollte sich als Berufssoldat verpflichten und nach Afghanistan gehen", erzählt Hett. " Aus einem Wagenheber hat er eine Raketenabschussrampe gebastelt, jetzt habe ich erfahren, er ist doch lieber Kfz-Mechaniker geworden." Ein anderer habe eine Schulklasse übersprungen und studiert, ein weiterer sei für die Hans-Thoma-Schule, Förderschule für Lernhilfe, vorgeschlagen gewesen, habe aber dann auf der Feldbergschule seinen Realschulabschluss und anschließend eine Lehre zum Versicherungskaufmann gemach

Spirale wird durchbrochen

"Kunst erfasst den Menschen in seinem Wesen und gibt ihm das Gefühl, etwas wert zu sein", weiß Hett. Die jungen Menschen dürften ihre Werke allerdings nicht behalten, erläutert der Sozialarbeiter, das sei Teil der Strafe. Und so kamen am Wochenende beim Atelierfest einige Skulpturen unter den Hammer. Alexander Hoffmann hatte sich ehrenamtlich als Auktionator zur Verfügung gestellt. " Die Spirale nach einer Tat, die nächste, vielleicht schwerere, zu begehen, wird durch die Arbeitsstunden bei den Kunsttätern gekappt, weil man dort lernt, anders wahrzunehmen, was einer schaffen kann", sagte Hoffmann, der am Ende des Tages elf Kunstwerke versteigert hatte. Sein Sohn Aric (11) hat bereits mehrere Kinderworkshops besucht, die Hett ab und zu anbietet, und bot eifrig mit.

Doch zuvor drehten etwa 50 Leute ihre Runden im Wirkungsbereich der Kunsttäter, der ehemaligen Kfz-Werkstatt der Feldbergschule in der Kleinen Schmieh. Immer wieder blieben sie vor den ausdrucksstarken Skulpturen und Figuren stehen. Betrachteten einen Teufel aus lauter Stahlzacken, daneben vom gleichen Erfinder den Engel Ari aus Stahl, vielfältigste Specksteinarbeiten, einen aalglatten Fisch aus Alabaster, den König, den Pilz, den bunten Tausendfüßler, den über zwei Meter großen, etwas erschreckt dreinschauenden "Mister Zufall" aus Holz oder den Feueraugenkopf aus Ytong, dem Teelichter das Augenlicht und Fundstücke aus Blech die Haare geben. " Wir lassen die jungen Leute einfach laufen, auf einmal halten sie ein Schweißgerät oder eine Flex in der Hand" , erklärte Hett. " Mit Aggressionen hatten wir noch nie Probleme, das ist das Wesen der Kunst. Da brauche ich niemandem aufs Maul zu hauen, die Jugendlichen sind bei sich im kreativen Prozess."

Ein wirklich eloquentes Projekt, dem man zum zehnten Geburtstag nur wünschen könne, dass es weiterhin Unterstützung erfahre, sagte eine Besucherin, und auch, dass die Energie von Hett und Planz für diese Arbeit nie verebben möge.

Veranstalter und Hauptsponsor auch von den Workshops für Kinder ist der Kultur- und Sportförderverein Oberursel (KSfO), der zum Jubiläum 18 000 Euro für das Jahr 2010 spendiert hat. "Wir bekommen sonst jedes Jahr 15 000 Euro", berichtete Hett. Wofür er sehr dankbar sei, denn er wünsche sich, dass die Werkstatt weiter gedeihe. " Die Kunsttäter sind selbst ein Kunstwerk, das nicht stillsteht."