Pressemeldung

Führungen für Demenzkranke

16.03.2015 -

Im Schloss wird es künftig Veranstaltungen für eine neue Zielgruppe geben: Demenzkranke. In enger Zusammenarbeit mit Kreis, Stadt, Ökumenischer Sozialstation haben die Museumspädagogin Dr. Britta Reimann und der Sozialpädagoge Andreas Hett ein entsprechendes Konzept entwickelt.

Es gehört zum Krankheitsbild bei Demenzpatienten, dass sie sich immer mehr aus der Gesellschaft zurückziehen. Das kann zum einen eine selbstgewählte Isolation sein, aber auch damit zusammenhängen, dass es für sie schon aus körperlichen und pflegerischen Gründen schwierig ist, eine Teilhabe an der Gesellschaft umzusetzen. Dabei wäre gerade das wichtig: Neue Reize für die Betroffenen schaffen, die sie aus ihrer Isolation ausbrechen lassen und längst verschüttet geglaubte Fähigkeiten und Erinnerungen wieder zum Vorschein kommen zu lassen. Das Schloss will deshalb nun Führungen anbieten, die speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken zugeschnitten sind.

Es sei ein Thema, das nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels zunehmende Bedeutung erfahre, sagte Museumspädagogin Dr. Britta Reimann, die zusammen mit dem Sozialpädagogen Andreas Hett das Konzept der Führungen erarbeitet hat. Voraussetzung sei zunächst, dass die Demenz noch nicht zu weit fortgeschritten sei und eine gewisse Mobilität gegeben sei, so Reimann. So eine Führung beginne stets mit einer gemeinsamen Kaffeetafel, bei der die Teilnehmer sich ein wenig kennenlernen können, sich an das Ambiente langsam gewöhnen und bereits eine kleine Einführung in das Thema der Führung erhalten. Anschließend folgt dann ein Rundgang, der mit vielen haptischen Elementen aufgelockert werde, der die Sinne der Patienten stimulieren soll.

Im vergangenen November hatte das Schloss bereits eine Probeveranstaltung mit dem Thema „Gut behütet“ durchgeführt (TZ berichtete). „Es war großartig“, erinnert sich der Sozialpädagoge Andreas Hett, der schon seit Jahren mit Demenzpatienten erarbeitet. „Wir sind durch das Schloss gegangen, haben Hüte und Perücken hingelegt, die alle einmal aufsetzen konnten, und deren Geschichten erzählt“, sagte er. Dabei hätten sich viele der Senioren daran erinnert, zu welchen Anlässen sie selbst einst Hüte getragen hätten, aber bei vielen sei auch eine geradezu kindliche Freude zutage getreten, sich verkleiden zu können.

Dass diese Probe ein Erfolg war, kann Alexandra Rauf von der Ökumenischen Sozialstation nur bestätigen. Sie hatte seinerzeit die Teilnehmer für die Führung vorgeschlagen. „Alle waren begeistert und haben noch tagelang davon geschwärmt“, weiß sie. Es sei für die Demenzkranken ein wundervoller Ausflug in eine Welt gewesen, die sie schon fast vergessen geglaubt hätten. Auch für die Begleitpersonen, zumeist Angehörige, sei die Führung eine willkommene Abwechslung vom kräftezehrenden Pflegealltag gewesen. Bei ihr habe es schon mehrere Anfragen gegeben, ob so eine Veranstaltung nicht wiederholt werden könne. Auch beim Kreis und der Stadt macht man sich stark für eine Fortsetzung, und sie haben ihre Unterstützung signalisiert.

Über weitere Führungen kann man sich unter Telefon (061 72) 9 26 21 28informieren. Vor jeder Veranstaltung gibt es noch ein kurzes Beratungsgespräch, damit kein Teilnehmer überfordert wird.