Pressemeldung

Kunst als Schlüssel zur Welt

20.04.2011 - Von: Höchster Kreisblatt 20.4.2011

Andreas Hett mit einem Bild von Franz Helios. mar

Kunsttherapeut Andreas Hett präsentiert Bilder demenzkranker Maler Noch bis zum Herbst sind im Begegnungszentrum Höchst selbstgemalte Bilder von demenzkranken Patienten aus dem Altenhilfezentrum Victor-Gollancz-Haus zu sehe

Höchst.Das gelbe Haus steht inmitten von sattgrünen Bäumen. Es hat eine grüne Eingangstür, zwei Fenster im Obergeschoss und ein schönes rotes Dach. Doch anders als bei anderen Bildern scheint am Himmel keine Sonne. Stattdessen zuckt ein gelber Blitz aus schwarzen Wolken.

Malen aus Erinnerung

"Gelbes Haus mit Gewitter" heißt das Bild von Franz Helios, das bei der Eröffnung der Ausstellung "Heilende Kraft der eigenen Kreativität" vielen Besuchern gut gefiel. Bis zum Herbst werden die mit Wasserfarben gemalten Bilder von demenzkranken Bewohnern aus dem Interkulturellen Altenhilfezentrum Victor-Gollancz-Haus (VGH) im Begegnungszentrum zu sehen sein. Vier der acht Künstler sind bereits verstorben, zu sehen sind Bilder von Franz Helios (†), Konrad Scondo (†), Carmen Cruz, Günther Schmidt, Ruth Priester (†), Mathilde Jörg, Karoline Bernhard (†) und Kadrije Atar. Entstanden sind die insgesamt elf Bilder in den Jahren 2006 bis 2009. Zu sehen sind Linien und Muster, Erinnerungsfragmente wie das gelbe Haus und mystische Zeichen auf weißem Grund.

Kunsttherapeut Andreas Hett hat die Entstehung der jeweiligen Bilder begleitet und erzählt bei der Eröffnung aus der Arbeit mit den kranken Frauen und Männern, die wie alle Bewohner des VGH als "Klienten" bezeichnet werden. Viele, die regelmäßig in die wöchentlich stattfindende Malgruppe gebracht würden, seien zunächst verunsichert und behaupteten, sie könnten nicht malen, so Hett. Mit der Überlegung, welche Farbe zur eigenen Persönlichkeit passt, lockt der Kunsttherapeut die Klienten aus der Reserve – und erlebt dabei immer wieder, wie kranke, eigentlich verschlossene Menschen wieder Kontakt mit ihrer Umwelt ausnehmen. "Ich kenne eine Frau, die überhaupt nicht mehr spricht, die beim Malen aber plötzlich wieder anfängt, zu reden", erklärt er.

Die Ausstellung soll bis zum Herbst laufen und ist Teil der Reihe "Vergiss-mein-Nicht", die sich mit dem Thema Demenz auseinander setzt. Im September oder Oktober soll auch das Café "Herbstsonne" eröffnet werden, das ein Treffpunkt für Betroffene sein wird.

Demenz-Reihe

Weitere Veranstaltungen der Demenz-Reihe sind das gemeinsame Ansehen von Ausschnitten aus dem Film "Eines Tages" mit anschließender Diskussion am Mittwoch, 4. Mai, 15 Uhr, sowie die Autorenlesung von Margot Unbescheid, die aus ihrem Buch "Alzheimer – Das Erste-Hilfe-Buch" vorträgt (Mittwoch, 8. Juni, 15 Uhr). Die Öffnungszeiten der Ausstellung im Begegnungszentrum, Bolongarostraße 137, sind Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 14 bis 16 Uhr, der Eintritt ist frei. aze (aze)