Pressemeldung

Kunst für die Seele

21.10.2010 - Von: Frankfurter Rundschau

Seit vier Monaten betreibt das Diakonische Werk in Wehrheim ein kreisweit einmaliges Kulturprojekt für Leute mit seelischen Erkrankungen. Eine Halle in Wehrheim, nicht weit vom Bahnhof. Fenster und Oberlichter lassen viel Licht herein, auf eine geräumige Fläche von zweihundert Quadratmetern. Wer hier eintritt, kann die Fährnisse des Alltags hinter sich lassen. "Offenes Atelier" steht an der Eingangstür.

Seit vier Monaten betreibt das Diakonische Werk Hochtaunus in der Industriestraße 8a ein kreisweit einmaliges Kulturprojekt für Leute mit seelischen Erkrankungen. Stefanie Limberg, Stellvertretende Diakonie-Leiterin, freut sich über die Resonanz. Obwohl man kaum für die neue Einrichtung geworben habe, seien mittlerweile dreißig Menschen in den verschiedenen Workshops aktiv. Ihnen stehen Staffeleien, Tische und die nötigen Utensilien zur Verfügung. Angemietet wurde die ehemalige Betriebshalle von der benachbarten Firma Inframed, gefördert wird die Kreativwerkstatt von der Aktion Mensch. 

Atelierschau

Die Vernissage des Offenen Ateliers beginnt am Mittwoch, 3. November, um 18 Uhr. Zum Programm gehört auch ein Vortrag von Eberhard Nölke, Professor an der Hochschule Darmstadt.
 Geöffnet ist die Ausstellung zudem am 13. November von 16 bis 18 Uhr sowie jeden Mittwoch bis Weihnachten von 14.30 bis 17.30 Uhr im Rahmen des "Schnuppernachmittags". 
 Das Atelier befindet sich in der Nachbarschaft des Diakonischen Zentrums in Wehrheim, Industriestraße 8a. ov

Unter dem Motto "Der Seele Raum geben" umfasst das Angebot die Ausdrucksformen Musizieren, Schreiben, Malen und Gestalten. An jedem Wochentag finden zu festgesetzten Zeiten die Einheiten statt. Interessierte Neulinge können die "Schnupperzeit" mittwochs zwischen 14.30 und 17.30 Uhr besuchen. Die bildenden Künstler bereiten derzeit ihre erste Ausstellung vor, mit dem Rahmen der entstandenen Werke wurde in den vergangenen Tagen bereits begonnen. Vernissage ist am 3. November. 

Ab 18 Uhr werden dann auch die eigenwilligen Arbeiten von Kala Gehrmann zu sehen sein – sie sind zum Teil von Fensterrahmen eingefasst. Sie selbst bezeichnet ihre figürlichen Darstellungen als "nicht sehr freundlich". Die Diplom-Soziologin gibt nachmittags Literatur- und Malkurse in einem Gefängnis und einer Bildungseinrichtung. In den Vormittagsstunden hat sie mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen, die aus ihrer Kindheit rühren. Im Offenen Atelier kann sie die schwierige Zeit überbrücken und Kraft für den weiteren Tag gewinnen. "Das Angebot ist wie auf mich zugeschnitten", sagt Kala Gehrmann, die sich schon seit vielen Jahren künstlerisch betätigt.

"Jeder hier hat seinen eigenen Stil und schafft sich ganz individuell einen Zugang zur Kunst." Kunsttherapeut Andreas Hett, der das Konzept mitentwickelt und in Oberursel schon vor Jahren die "Kunsttäter" etabliert hat, betont die Wichtigkeit künstlerischen Schaffens in einer auf Funktionalität ausgerichteten Gesellschaft. Die Freiheit zur Kunst ermögliche Kompensation und Selbsterkundung. 

Gefälligkeiten kommen den Besuchern der Atelierschau nicht vor die Augen – jede Arbeit ist authentisch, ungeschönt. Präsentiert werden spannungsreiche Auseinandersetzungen mit den herrschenden Lebensverhältnissen. Auch wenn die Collagen von René Richter in Gold und Silber strahlen: Man sollte sich vom schönen Schein nicht täuschen lassen.