Pressemeldung

Kunst für Täter

29.05.2010 - Von: Jürgen Streicher - Frankfurter Rundschau

Kreative Strafe - Schweres Werkzeug gegen kriminelle Energie. Je nach Blickwinkel guckt "Der Verdrehte" böse oder freundlich. Es sind die zwei Seiten, die irgendwie in jedem stecken.

Aus einer Taunuseiche ist ein 700 Kilogramm schweres Zeugnis jugendlicher Schnitzkunst geworden, zwei Meter hoch und gut sichtbar aufgestellt im Rushmoor-Park am kleinen Maasgrund-Weiher neben der Christuskirche. Ein bisschen wie ein Mahnmal.


Für die daran beteiligten Jugendlichen ist die Skulptur das auch. Die beiden Gesichter stehen für den Weg, den sie in zehn Monaten zurückgelegt haben. Statt in den Knast zu gehen oder ihre Strafe in einer sozialen Einrichtung abzuarbeiten, leisteten sie ihre Stunden in der Bildhauerwerkstatt "Kunsttäter" ab. Wie inzwischen mehr als 300 junge Menschen. Durch die kreative Arbeit geben sie sich auch selbst ein neues Gesicht.

Ein Erfolgsmodell "Der Verdrehte" hat die Kunsttäter in den öffentlichen Raum gebracht, ebenso der "Schlangendrachen" in der Parkanlage Camp King, gleichfalls eine große Holzskulptur. Als resozialisierende Einrichtung versteht deren Initiator, der Kunsttherapeut und Sozialarbeiter Andreas Hett, die Bildhauerwerkstatt nicht. Solche Arbeit könne sie weder personell noch institutionell leisten. Wohl aber werde häufig gesellschaftlich stigmatisierten Jugendlichen ein Zugang zur Kunst ermöglicht, durch die sie eigene neue Fähigkeiten und Ressourcen entdecken können. Die Kunst als Prävention nach der Tat. Längst gilt die Werkstatt als Erfolgsmodell, die Idee wurde von der Jugendgerichtshilfe des Hochtaunuskreises, vom Amtsgericht und auch von der Bewährungshilfe beim Landgericht Frankfurt sehr positiv aufgenommen. Viele Förderer unterstützen das Projekt, Träger ist der Kultur- und Sportförderverein Oberursel (KSfO), der es zuletzt mit 13 000 Euro pro Jahr unterstützt hat. Was im Frühsommer 2000 in der alten Haupthalle des Umspannwerks am Zimmersmühlenweg als Experiment begann, steht nach zehn Jahren auf festen Füßen. Als das Umspannwerk zum "Kraftwerk" für Oldtimer und gehobene Gastronomie wurde, mussten die Kunsttäter in den Keller des alten Rathauses Oberstedten umziehen, seit 2006 haben sie eine neue Heimat in der ehemaligen Autoschlosserei der Feldbergschule gefunden. Von da können sie fast auf den "Verdrehten" gucken. Am 9. Juni öffnet im Landratsamt Bad Homburg, Ludwig-Erhard-Anlage 1-4, eine Ausstellung mit Werken der Kunsttäter.