Pressemeldung

Kunst kennt kein Handicap

20.09.2014 - Von: Gerrit Mai, Taunuszeitung

Das Offene Atelier bietet die Chance, trotz Einschränkung künstlerisch zu arbeiten. Eine Ausstellung mit Werken, die dort entstanden, wurde im Landratsamt eröffnet.

Wehrheim/Bad Homburg. 

Das Ergebnis des 14 Jahre währenden Einsatzes der Nato in Afghanistan scheint nur verbrannte Erde und Bombenfeuer überall zu sein. Dazwischen eine verschleierte Frau und nur wenige Blumen in vom Feuer geröteter Umgebung. So zumindest drückt es ein Bild aus, das Osman Djuja gemalt und dem er den Titel „Afghanistan“ gegeben hat.

Djuja ist einer der 30 Künstler, die unter Anleitung der Kunsttherapeuten Esther Schulz-Zerres und Andreas Hett im Offenen Atelier des Diakonischen Werks Wehrheim arbeiten. Sein Bild ist zusammen mit 20 weiteren Werken derzeit in Taunus-Galerie im Landratsamt zu sehen. Kreisbeigeordnete Dr. Regina Sell (CDU) eröffnete die Ausstellung in Vertretung von Landrat Ulrich Krebs (CDU). Dabei lobte sie das Engagement der Mitarbeiter des Offenen Ateliers und stellte das „eindrucksvolle Panorama von künstlerischen Arbeiten aus besonderer Perspektive“ heraus.

Professor Eberhard Nölke von der Hochschule Darmstadt betonte die Bedeutung von kreativem Gestalten, sei es im Malen, im Schreiben oder der Bildhauerei, für Menschen, die psychische Krisen zu überwinden oder Erlebtes zu verarbeiten hätten.

Die Ausstellung trägt den Titel „Von uns aus“ und schon daran werde deutlich, dass die Werke den Blickwinkel der Künstler zeige. Weder verstellt durch eigene Bewertung noch durch die anderer. Die Fachleute geben Hilfestellung, aber die Fragen „woher kommen wir, was wollen wir tun und wohin gehen wir“ seien von den Akteuren selbst zu beantworten und zu dokumentieren. So, wie einer der Künstler den entstandenen Müll seiner Medikamente in eine Farbfeldmalerei einbezogen, und Katharina Kraeger ihrer Collage mit den verschiedensten Phrasen und einem Dackel in der Mitte, den Titel „Wurstschnappen“ gegeben hatte.

Manuela Schilling gab ein Ausflug ins jüdische Museum nach Berlin die Inspiration für das gleichnamige Bild. Die Trostlosigkeit der aufgesperrten Münder, der kahlen Köpfe und der verzweifelten Gesichter war ihr am Ende doch zu hoffnungslos, so dass jetzt ein silberner Mond und ein kleiner Engel in der oberen Ecke einen Hauch von Hoffnung geben.

Die Erfahrung, trotz Einschränkung kreativ und schöpferisch gestalten zu können, baue Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl auf, und auch die sozial-integrative Seite sei wichtig, sagte Nölke. Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 17. Oktober, in der Taunus-Galerie zu den Öffnungszeiten des Landratsamtes, montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 12 Uhr, zu sehen.