Pressemeldung

Mit Hüten dem Alltag entfliehen

17.03.2015 -

Eine Zeitreise durch das Schloss weckt Kreativität und Freude der Teilnehmer.

Ein Ausflug im Museum lebt auch davon, dass die Besucher hinterher von ihren Erlebnissen erzählen. Was aber, wenn diese Erinnerung nicht da ist? Mit einem speziellen Projekt wendet sich die Museumpädagogik des Bad Homburger Schlosses an Demenzerkrankte. Ein Probedurchlauf hat bereits stattgefunden, weitere Termine sind in Planung.

Es waren ein paar Hüte und Perücken, die bei der Premiere Ende November acht Teilnehmer glücklich machten. Acht Demenzerkrankte aus dem Hochtaunuskreis, die sich über 90 Minuten im Bad Homburger Schloss aufhielten und dabei eine willkommene Abwechslung zu ihrem gewohnten Alltag erlebten.

Das Konzept beruht auf dem so genannten Duisburger Modell. Im dortigen Lehmbruck-Museum gibt es diese speziellen Demenz-Angebote schon seit dem Jahr 2007. Britta Reimann, Leiterin der Museumspädagogik, und Kunsttherapeut Andreas Hett haben die Idee nach Bad Homburg übertragen – unter dem Motto „Zeitreise im Schloss“.

Das Prinzip ist einfach: Ein Museum, sagt Britta Reimann, „eignet sich genauso wie ein Museumsschloss perfekt, um die an Demenz erkrankten Menschen bei ihren Erinnerungen abzuholen“.

Interaktive Führung durch das Schloss

Bevor es soweit war, sollten die Teilnehmer erst einmal ankommen. In kleiner Runde gab es Kaffee im Louissaal, dann ging es gemeinsam durch das Schloss. An ausgewählten Stellen ließen sich Kopfbedeckungen aller Art finden, die mit Tüchern verdeckt waren. Ziel der Teilnehmer war es nun, zu schauen, was sich unter den Tüchern befindet.

„Uns ist es wichtig, dass wir als Leiter nicht nur einfach etwas vorgeben“, so Andreas Hett. „Die Erkrankten sollen selbst Teil der Führung werden.“ Und so setzten sich die Männer und Frauen die diversen Hüte und Perücken auf, betrachteten sich im Spiegel oder amüsierten sich über Hett, der sich nicht zu schade war, auch selbst die Kopfbedeckungen zu tragen.

An jeder Station gab es wohldosierte Informationen über die Hüte und die Zeit, aus der sie stammen. Am Ende machte Andreas Hett von jedem Teilnehmer ein Polaroidbild mit Hut.

Hett und Reimann sind sich sicher, dass dem Probelauf im vergangenen Jahr weitere Führungen folgen sollen. Zu groß war die Freude in den Gesichtern der Teilnehmer, der Angehörigen und der Betreuer. Dieser Ausbruch aus dem Alltag“, so Andreas Hett, „ist Gold wert für diese Menschen“. Die erste Führung wurde durch die Unterstützung von Kreis und Stadt finanziert. Für die Zukunft freuen sich alle Beteiligten über Spenden.

Projekt-Ideen

Neue Termine für weitere Führungen stehen zwar noch nicht fest. Ideen gibt es aber genug. Als Themen kommen in Frage Schlagworte wie Familie, Kindheit, Kleidung, aber auch Essen oder Haushalt. Jedes Mal soll ein Anschluss an die eigene Lebenswelt der Teilnehmer hergestellt werden.

Auch Workshops sind denkbar. Dabei sollen die motorischen Fähigkeiten der Teilnehmer gefördert werden. Bei Projekten für Ehepartner sollen schöne Erlebnisse abseits der täglichen Routine möglich werden.

Infos gibt es bei Britta Reimann unter Telefon 06172 / 926 21 28.