Pressemeldung

"Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele"

06.11.2010 - Von: Usinger Anzeiger

06.11.2010 - WEHRHEIM   Diakonisches Werk Hochtaunus startete in Wehrheimer Außenstelle ein neues Kunstprojekt   (cju). "Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele", liest man auf einem Bild inmitten der anderen Werke. Helle Räume mit Loft-Charakter, aber ebenerdig, der Blick Richtung Bahnhof ist frei:

Das Diakonische Werk Bad Homburg hat in seiner Außenstelle in Wehrheims Industriestraße ein außergewöhnliches Kunstprojekt von Menschen mit seelischen Erkrankungen gestartet.

Am Mittwochabend lud man zur Vernissage ein. 16 Künstlerinnen und Künstler stellen hier das aus, was sie in den vergangenen Monaten geschaffen haben. Das Besondere daran: Es handelt sich um Menschen mit seelischer Krankheit, die hier offensiv mit ihrer Erkrankung umgehen und gerne Auskunft erteilen über das, was sie geschaffen haben. Da wäre beispielsweise Agnes aus Friedrichsdorf. "Meine kreative Ader war lange verschüttet", erzählt sie, "jetzt fange ich allmählich wieder an zu leben und Kunst hilft mir dabei." Von ihr stammen beispielsweise Drucke mit roter Farbe, gezeigt werden Herzen. Oder Manuela aus Bad Homburg: Sie steuert ein nachempfundenes Bild von Salvatore Dali und ein Blumenbild bei. Oder Martin Lesiakovski - er hat Blumenbilder gemalt, aber auch einen Draht zum Weltall. René Richter liebt "die Freiheit über alles". Deshalb hat er nicht nur Installationen mit Alufolie hergestellt, sondern auch die große Weite des Weltalls szenisch umgesetzt. "Hier ist der Übergang ins Paralleluniversum", so Richter der sich "über alles und die ganze Welt" seine Gedanken mache.

Eberhard Nölke, Professor an der Hochschule Darmstadt, hielt die Eröffnungsrede und betonte, wie wichtig es sei, der Seele Kunst zu geben und wie wunderbar es hier beim Diakonischen Werk Hand in Hand gehe.

Das kreisweit einmalige Kulturprojekt zeigt wirklich eine breite Palette von Werken; viele davon würde man gerne abhängen und mit nach Hause nehmen. Vieles verlangt dem Betrachter aber auch Zeit ab, die er sich nehmen muss, um das Werk zu begreifen. Witzige Ideen wechseln sich mit eher laienhaft gestalteten Werken ab. Besonders eindrucksvoll ein Wandteppich, der im satten Blau mit vielen Schleifen und Knöpfen, Kordeln, Reißverschlüssen und anderem mehr aus dem Kurzwarensortiment gestaltet ist. Hier hat Martha Kociolek viel Arbeit investiert.

Seit Juni 2010 hat das Diakonische Werk das Offene Atelier geöffnet. Begleitet wurden und werden die Interessenten von Andreas Hett, Kunsttherapeut und Doris Kleffmann-Metz, die selbst Künstlerin ist. Sie standen zu fest verabredeten Zeiten für die Kunstschaffenden zur Verfügung, um sich in ihren Arbeiten weiterzuentwickeln, neue Techniken zu erproben und den eigenen Ausdruck zu finden.

Jeden Mittwochnachmittag von 14.30 bis 17.30 Uhr steht das Offene Atelier zum Kennenlernen und Ausprobieren zur Verfügung.

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Das Club-Café ist mittwochs von 15 bis 17.30 Uhr geöffnet. Der Besuch im Atelier kann mit einer Tasse Kaffee und einem Gespräch im Club-Café verbunden werden. Die Ausstellung ist bis zum 24. Dezember mittwochs im Rahmen des Schnuppernachmittags zu sehen; außerdem kann man am Samstag, 13. November, von 16 bis 18 Uhr die Werke begutachten. Weitere Informationen unter Telefon 06081/95 89 711.