Pressemeldung

"Kunsttäter" schlagen mit frechen Skulpturen zu

30.11.2011 - Von: Anja Baumgart-Pietsch, Wiesbadener Kurier

Ungewöhnliche Objekte gibt es im Atelier von Jochen Schnepf (links) und Margit Bayer (rechts) zu sehen. Kunsttherapeut Andreas Hett (Mitte) arbeitete mit jugendlichen Straftätern. Foto: RMB/Margielsky

PROJEKT Jugendliche Straftäter präsentieren Objekte in der ehemaligen Bäckerei in Rauenthal / Atelier von Bildhauerin und Fotodesigner

Ein riesiger Engel mit weißen Schwingen, dessen Körper bei näherem Hinsehen aus Metallteilen unterschiedlichster Herkunft besteht. Ein kleiner Kopf, aus dessen Ohr rote Farbe spritzt. Ein grob behauener Holzbalken mit drei Löchern, auf einem Metallstab platziert. Unterschiedlichste Kunstwerke bevölkern den kleinen Raum in der Antoniusgasse. An seinen Wänden hängen Fotos, die die Herstellung dieser Metall-, Holz- und Steinskulpturen mit dem Blick fürs spannende Detail dokumentieren.

Prallvoll mit spannenden Kunstwerken ist die ehemalige Bäckerei, in der Margit Bayer und Jochen Schnepf ihr Atelier betreiben. Die Ton-Bildhauerin und der Fotodesigner teilen sich die "Kunstwerkstatt", in der sie auch Kurse und Workshops anbieten. Zum ersten Mal haben sie externe Künstler eingeladen, dort ihre Werke zu präsentieren.

Produkte der Kunsttherapie

Es sind besondere Kunststücke, die hier Gestalt angenommen haben: Hergestellt wurden sie von Jugendlichen aus dem Hochtaunuskreis, die straffällig geworden sind, und mit dieser Kunst-"Therapie" ihre Sozialstunden ableisten konnten. Angeleitet wird das Projekt "Kunsttäter" von Kunsttherapeut Andreas Hett und der Bildhauerin Regina Planz. Jochen Schnepf hatte zu den Kunst-Tätern zufällig Kontakt gefunden und beim Arbeitsprozess zahlreiche Fotos gemacht.

Es erwuchs die Idee, Fotos und fertige Objekte einmal gemeinsam zu präsentieren. In der Rauenthaler Kunstwerkstatt ist dafür zwar nicht allzu viel Platz, aber dennoch haben es Schnepf und Hett geschafft, viele kleine und große Skulpturen und die dazugehörigen großformatigen Aufnahmen dort zu präsentieren.

Tonarbeiten Margit Bayers

Im kleinen Nebenraum lässt sich zudem noch ein Blick auf die Tonarbeiten der Hausherrin Margit Bayer werfen, die dort vor einigen Jahren mit ihrem Kunstschaffen begonnen hatte. Als die Bäckerei wenig später schloss, mietete sie gemeinsam mit anderen Künstlern die gesamte Etage an. Mittlerweile ist Jochen Schnepf der künstlerische Partner.

"Mich interessiert besonders die Verbindung zwischen unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen", sagt Schnepf. So arbeite er gerade an einem Projekt, das Fotografie und akustische Untermalung miteinander verbindet. Und auch Fotografie und die Ton-Skulpturen von Margit Bayer ließen sich sicher gemeinsam zu einem Gesamtkunstwerk kombinieren - man darf gespannt sein, was sich das Rauenthaler Künstlergespann ausdenkt.

Bei der Vernissage der "Kunst-Täter"-Objekte sprach Dr. Winfried Rathke, Leiter des Rheingauer Kunstvereins, einführende Worte und zeigte sich beeindruckt, wie die jugendlichen Delinquenten es geschafft haben, sich auch mit ihren Taten und ihrer bisherigen Biografie mit künstlerischen Mitteln auseinanderzusetzen. Andreas Hett gab den zahlreichen Besuchern einen Einblick in die Arbeit mit den Jugendlichen, die sich beim Kunstschaffen so manches Mal auf ihre weiteren Perspektiven besannen und ihre Taten reflektierten. Jochen Schnepf berichtete von den zahllosen Motiven, die er in der Werkstatt der Kunst-Täter gefunden hatte und von denen er nur einige wenige zeigen kann. Weitere Bilder des Projekts liefen aber auf einem Monitor in der Werkstatt.